Analoger Jahresrückblick

Nennt mich altmodisch, aber traditionell übertrage ich „zwischen den Jahren“ Geburtstage und andere sich wiederholende Termine vom Kalender des Vorjahres in den des bevorstehenden Jahres – und das analog. Ja, richtig, ein Kalender-Notizbuch aus Papier, Leim und Faden. Denn schließlich kann es nie schaden, ein analoges Backup seiner Termine zu haben, das auch ohne Strom funktioniert.

Dabei ergibt sich zwangsläufig ein interessanter und sehr persönlicher Jahresrückblick, der einem zeigt, wie selbst der recht überschaubare Zeitraum eines Jahres Ereignisse enthält, die man schon fast vergessen hat.

Wir, die Geiseln der Gadgets

Und dann ertappst du dich bei dem mühevollen und grundsätzlich albernem Versuch, den Akku deines iPhones in einem zeitlich passendem Moment vollständig zu entleeren, weil du gelesen hast, dass dadurch das Problem des erhöhten Stromverbrauchs mit iOS 6.0.2 beseitigt werden soll.

Du bist die Geisel deines Gadgets.

Weihnachtliche Rituale

Ich mache mir gerne einen Spaß daraus, an Heiligabend in die Innenstadt zu fahren, um Nichtigkeiten zu kaufen – heute z. B. Zahncreme und einen Ordner mit Abheftmechanik (Rückenstärke 80 mm). Man könnte sagen, es ist meine sehr persönliche Weihnachtsstradition.

Der Spaß besteht im Wesentlichen darin, den in letzter Not noch meist wenig passende Geschenke suchenden Opfern der Konsumgesellschaft bei ihrem gestressten Kaufverhalten zuzusehen und selbst überhaupt keinen Zwang zu haben.

Es ist herrlich. Lang lebe Weihnachten!

Frohes Fest!

Der heikle Weihnachtsmoment

Heute – oder in vielen Familien auch erst morgen – spielen sich vielfach kleinere und in manchen Fällen sicherlich auch größere Dramen ab. Warum? Ganz einfach: Die Tradition verlangt jetzt zeitnah das Schmücken des Tannenbaums mit entsprechenden weihnachtlichen Utensilien.

Hat man den ersten Schockmoment des Auspackens ohne nennenswerten Streit über mögliche Missbildungen des schönen Nadelgewächses überstanden, stellt sich gleich die Frage des Schmucks. Und natürlich die der Beleuchtung.

Wer bringt die Kerzen an?
Und wie?
Welche Farbe der Kugeln?
Spitze oder nicht?

Ich kenne aus meiner eigenen Kindheit noch die Brisanz, die in diesen scheinbar harmlosen Augenblicken der Festvorbereitungen für junge Familien steckt. Bis die Bäume fertig dekoriert sind, können viele Beziehungen auseinander brechen wie ein verdorrter Tannenzweig. Gottseidank hatten wir noch Sekt im Kühlschrank.

Also: Frohes Fest und am Besten immer ein gewisses Grundniveau an Blutalkohol halten.

Das hilft.

Der stille Blick

Stille macht sich breit. Selbst in unserer hektischen Welt bemerkt man die deutliche Entschleunigung, die wenige Tage vor Weihnachten einsetzt – vom Einzelhandel mal abgesehen.

Das Business abschalten. Mehr Genießen lernen. Nachdenken. Atmen. Leben.

Der Heiland

Immer wieder wird er Mensch geboren,
spricht zu frommen, spricht zu tauben Ohren,
kommt uns nah und geht uns neu verloren.

Immer wieder muss er einsam ragen,
aller Brüder Not und Sehnsucht tragen,
immer wird er neu ans Kreuz geschlagen.
Immer wieder will sich Gott verkünden,
will das Himmlische ins Tal der Sünden,
will ins Fleisch der Geist, der ewige, münden.

Immer wieder, auch in diesen Tagen,
ist der Heiland unterwegs zu segnen,
unseren Ängsten, Tränen, Fragen, Klagen
mit dem stillen Blicke zu begegnen,
den wir doch nicht zu erwidern wagen,
weil nur Kinderaugen ihn ertragen.

Hermann Hesse (1877 – 1962)

Mit Lebensmitteln spielt man nicht!

Nein, Nahrung und Lebensmittel sind keinesfalls als Spielzeug geeignet, so viel sei klargestellt. Aber dennoch kann man sich über die eine oder andere komische Eigenart der Natur hin und wieder amüsieren.

In diesem Fall beispielsweise darüber, ob die mir heute begegnete Kartoffel eher die Form eines Hinterns oder eines Herzens hat.