Das Streben nach Vollkommenheit der Kinder

Alle Eltern und diejenigen, die sich intensiv mit dem Thema Kinderwunsch beschäftigen, wissen: In Sachen Erziehung muss man heutzutage schon früh darauf achten, dass für den geliebten Nachwuchs die Weichen für eine – in den eigenen Augen – erfolgreiche Zukunft gestellt wird.

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Im Feuilleton der F.A.Z. gab es letzte Woche einen Interessanten Beitrag mit dem Titel Frühoptimierung: Die Überforderung der Kindheit. Nils Minkmar beschreibt dort anschaulich die Tücken, die jungen Eltern gesellschaftlich heute begegnen. Sehr lesenswert, weil bestimmt jeder Betroffene die Aussagen im Artikel voll und ganz bestätigen kann.

Natürlich lese ich Beiträge dieser Art nicht nur gerne, sondern teile sie auch gern mit meinen Bekannten. Die Reaktion einer guten Freundin (selbst zweifach erfolgreiche Mutter) möchte ich an dieser Stelle ebenfalls verbreiten, weil sie mindestens ebenso lebenswert ist:

[…] Schönster Satz: „Kindheit ist nicht genug, sie muss ständig optimiert werden!“
Bei fast jedem Satz möchte man laut „GENAU!!“ rufen.

Ich habe ja jetzt schon zwei wichtige Stationen (Kindergarten und Grundschule) mit Kind durchlebt und gerade das letzte Grundschuljahr war sehr anstrengend. Fast dauerhaft war ich damit beschäftigt, mich aus Gesprächen über die nächste Schule herauszuhalten, weil es mich wahnsinnig gemacht hat. Da beschließen Eltern in der Grundschule, was ihre Kinder später für Berufe ergreifen. Da verwirklichen sie ihre eigenen Ideen und opfern für diese ihre Kinder, die sie aufs Gymnasium schicken, obwohl sie gerade mit viel Augenzudrücken gerade mal eine Realschulempfehlung bekommen haben. Man wohnt ja schließlich fast nebenan. Bus fahren kann ein Kind in der 5. Klasse doch nicht. Die Klassenlehrerin, gebetsmühlenartig Umstimmungsversuche herunterbetend, gibt irgendwann resigniert auf. Bekommt eine Amtsaufsichtsbeschwerde, weil sie es gewagt hat, in einer pädagogischen Abschlussbewertung des Kindes längst in allen Elterngesprächen ausgedrückte Bedenken niederzuschreiben und somit dazu beigetragen hat, die Schulkarriere des Kinders zu verbauen.

UNGLAUBLICH!

Und alles auf dem Rücken der Kinder, die meinem Sohn heulend in die Arme fallen, wenn sie in Mathe eine 3 schreiben. Die in der 5. Klasse so dermaßen auf die Nase fallen werden und als Botschaft mitnehmen, dass sie nicht „richtig“ sind. Nicht leistungsfähig genug. Dass sie ihre Eltern enttäuschen. Man will ja selbst das Beste, man sorgt sich, man fragt sich fast täglich, ob die heutige Entscheidung richtig war. Aber hoffentlich hat man dabei immer noch genügend Grips beieinander, um zu begreifen, dass das Leben dynamischer ist als uns lieb ist. Und dass gerade die Zufälle im Leben und auch manchmal die großen Stolpersteine das wahre Glück bedeuten können.

Manchmal denke ich, wir haben großes Glück zwei Kinder zu haben, von denen besonders das eine in fast gar keine statistische Schublade passt. Das nicht vergleichbar ist mit den anderen und uns allein deswegen immer wieder zwingt, das, was eben „normal“ ist, neu zu überdenken.

Danke für den Artikel. Den heb ich mir auf. […]

Es bleibt nur festzuhalten: Die Kinder, und viel wichtiger, ihre Gedanken sind frei! Ich wünsche mir für unsere Tochter, dass wir als Eltern den Leistungszwängen der Gesellschaft bestmöglich widerstehen können, damit sie, wann immer sie es möchte, einfach nur spielen kann.

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