Wo kaufe ich dann die Strümpfe?

Ich lebe in einer Kleinstadt. Das tat ich bisher immer. Früher war in einer Kleinstadt alles schön. Heute werden die Innenstädte leerer.

Auch in meiner jetzigen kleinen Heimatstadt ist das jetzt so. Das Kaufhaus Hibbe mit einer über hundertjährigen Tradition musste seine Türen für immer schließen.

Warum das so kam und wo wir in Neustadt jetzt unsere Strümpfe kaufen, steht in einem aufschlussreichen Artikel in der Zeit.

Jetzt, um 8.30 Uhr, da sich die Türen öffnen und zehn, zwanzig, dreißig, vierzig, fünfzig Kunden an Klaus Hibbe vorbei ins Kaufhaus drängen, grußlos, mit grimmigen Schnäppchenjägergesichtern. „Wenn ihr alle früher mal gekommen wärt“, flüstert Hibbe.

So beginnt der erste der letzten Tage. Mit 20 Prozent auf alles.

Ich lebe in einer Kleinstadt.

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Weihnachtliche Rituale

Ich mache mir gerne einen Spaß daraus, an Heiligabend in die Innenstadt zu fahren, um Nichtigkeiten zu kaufen – heute z. B. Zahncreme und einen Ordner mit Abheftmechanik (Rückenstärke 80 mm). Man könnte sagen, es ist meine sehr persönliche Weihnachtsstradition.

Der Spaß besteht im Wesentlichen darin, den in letzter Not noch meist wenig passende Geschenke suchenden Opfern der Konsumgesellschaft bei ihrem gestressten Kaufverhalten zuzusehen und selbst überhaupt keinen Zwang zu haben.

Es ist herrlich. Lang lebe Weihnachten!

Frohes Fest!

Gerüstet für Weihnachten

Es beginnt. Jetzt.
In einem Monat und ein paar wenigen Stunden ist es soweit und wir werden das große Fest der Liebe feiern. Und natürlich feiern wir damit auch wiederholt die Geburt von Jesus Christus. So lautet zumindest die Botschaft, die uns die Industrie, der Einzelhandel und die Medien einzureden versuchen.
Es beginnt wie jedes Jahr mit dem „viel zu früh“ einsetzenden Verkauf von Schoko-Weihnachtsmännern, Spekulatius und Lebkuchen über den man sich schon wie automatisch beschwert.

Wie selbstverständlich finden wir jedes Jahr quasi als erster Hörer den Moment, wenn irgendein Radiosender damit anfängt, „Last Christmas“ zu spielen. Ganz zu Schweigen von den obligatorischen Weihnachtsmarkt-Besuchen mit Crêpes, Glühwein und drohendem Verlust der Fahrerlaubnis – alles im Small-Talk peinlich genau abgearbeitet. Natürlich leiden alle Beteiligten mehr oder weniger gleichermaßen an der schier unerträglichen Last, diese vielen Geschenke kaufen zu müssen.
Und bei all dem sollen wir denken: „Das ist Weihnachten. Herrlich.“
Ich kann verstehen, dass viele Unternehmen mit dieser falschen, konsumgetriebenen Maskerade einer längst nicht mehr gläubigen Gesellschaft den größten Umsatz des Jahres machen. Aber eben weil das so ist und die Firmen das jedes Jahr aufs Neue gesteigert immer wieder tun wollen, ist es so schlimm wie es ist. Besinnung, Bescheidenheit und Konzentration auf das Wesentliche fallen da schwer. Zu mächtig scheinen die Kräfte der millionenschweren Werbeetats, die verzweifelte oder teils auch clevere Konzerne aufstellen, um uns Verbraucher in ihren jeweiligen Bann zu ziehen.
Den inneren Frieden und vielleicht sogar den eigentlichen Sinn von Weihnachten findet derjenige, dem es genügt, wenn man in diesen stillen, heiligen Nächten ein leckeres Essen, ein gutes Glas Wein und etwas Gemütlichkeit dazu nutzt, ein stilles Gebet zu finden.
Es beginnt. Jetzt. Die Armee der Schokoladen-Weihnachtsmänner steht bereit. Friede sei mit euch.