Mein 9/11

Natürlich weiß ich noch, wo ich am 11. September 2001 war. Dem Tag, den wir kurz und praktisch als 9/11 bezeichnen. Ich war in Frankfurt am Main. Beruflich.

Bei einer Werbeagentur in Frankfurt-Bockenheim nahm ich Anpassungen für verschiedene Bedruckstoffe an einem Farbproofsystem vor. Die Zeit verging – aus Vormittag wurde Mittag, aus Mittag wurde früher Nachmittag.

Dann stoppte die Arbeit

So ziemlich genau beim Einschlag des zweiten Flugzeugs in das World Trade Center wollte ich den Geschäftsführer über den Stand der Dinge unterrichten. Doch der hatte daran gar kein Interesse mehr.

„Ach, der Herr Bamberg hat auch noch Probleme…“,

rief er in bester hessischer Mundart. Der Fernseher lief. Die Mitarbeiter starrten auf den Bildschirm, waren verwirrt, geschockt. Mir dämmerte, dass die an diesem Tag geleistete Arbeit keine wirklich wichtige Rolle mehr spielte. Ohnmacht, Unverständnis, Nachrichten, Spekulationen und eine gewisse Surrealität gaben den ungewohnten Mix der Emotionen.

Das Radio als Fenster zur Welt

Ich wohnte seinerzeit in Bamberg und machte mich mit dem Auto auf den Weg dorthin. Unterwegs – im Radio – überschlugen sich die Meldungen im Minutentakt. Ich saugte die Nachrichten in mich auf, mit jeder Viertelstunde wurde der medial verstärkte Eindruck von einem drohenden Weltuntergang größer. Es gab keine Smartphones, das Radio war die Quelle der Wahl für Autofahrer, was Nachrichten anging. Und die Mobilfunknetze waren ähnlich überlastet wie sonst nur in der Silvesternacht.

Die Fahrt zog sich ungewöhnlich lange hin, obwohl ich heute nicht mehr sagen kann, wie lange. Zuhause angekommen unterstrichen die TV-Nachrichten das per Radio erlebte Szenario mit den bekannten, schrecklichen Bildern. Immer wieder, stundenlang. Der Rest ist Geschichte.

Es war ein Tag, den auch ich nicht vergessen werde. Seit elf Jahren nicht.

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